Warum ich ein Obsidian-Nerd bin

Beitragsbild zum Artikel Obsidian-Nerd mit Titel und Logo, im Hintergrund die Graph View von Obsidian

Wie wäre das, wenn du morgen aufwachst und keinen Zugriff mehr auf deine Notizen hast? Kein Tagebuch. Keine Gedanken. Keine Ideen. Einfach: nichts mehr da.

Wir speichern heute fast alles digital. Gedanken. Entwürfe. Reflexionen. Unser zweites Gehirn liegt in Apps. Aber wem gehören diese Gedanken eigentlich? Auf der Suche nach digitaler Souveränität bin ich bei Obsidian gelandet. Mehr zu digitaler Achtsamkeit. Und ja, inzwischen würde ich sagen: Ich bin ein Obsidian-Nerd. Weil ich Möglichkeiten liebe. Die Vielfalt an Funktionen. Die Verlinkungen. Die Struktur. Und gleichzeitig die radikale Einfachheit: eine Textdatei, ein Gedanke, ein Anfang.

Was wäre, wenn alles weg ist?

Vor einiger Zeit berichtete jemand in einem Reddit-Beitrag, dass sein Notion-Account ohne Vorwarnung gesperrt wurde – und mit ihm scheinbar auch der Zugang zu seinen eigenen Daten. Viele in den Kommentaren diskutierten daraufhin ein Problem, das größer ist als ein einzelnes Tool: Wenn wichtige Inhalte ausschließlich in einer Cloud liegen, sind wir abhängig vom Anbieter.

Was das so erschütternd macht: Er hat nicht öffentlich gepostet. Nur für sich geschrieben. Und trotzdem wurde der Zugang blockiert, weil Plattformen sich das Recht vorbehalten, Accounts nach ihren Richtlinien zu prüfen und zu sperren. Auch bei privaten Notizen.

Was ist Notion?

Notion ist ein populäres, cloudbasiertes All-in-one-Tool für Notizen, Aufgaben, Datenbanken und Wissensmanagement. Inhalte werden auf den Servern von Notion gespeichert – nicht lokal bei Nutzer:innen. Obwohl viele es als privat nutzen, kann Notion Inhalte nach eigenen Richtlinien prüfen und Accounts sperren.

Wenn du jetzt denkst: „Das passiert mir nicht, ich verhalte mich korrekt.“ Dann denk an Social Media: Wie viele Accounts wurden schon fälschlich gesperrt, automatisiert gelöscht, weil ein System falsch reagierte?

💡 Die Wahrheit ist unbequem: Was dir nicht gehört, kann dir genommen werden.

Deshalb liebe ich Obsidian. Nicht, weil es hübscher ist. Oder smarter. Sondern weil die Notizen darin mir gehören. Meine Gedanken, meine Links, meine Ordnung – im Markdown-Format auf meinem Rechner.

Was ist Obsidian?

Obsidian ist ein lokal installierbares Notizprogramm, das auf einfachen Textdateien im Markdown-Format basiert. Jede Notiz wird als eigenständige Datei auf deinem Gerät gespeichert – nicht in einer geschlossenen Cloud-Struktur. Durch interne Verlinkungen entsteht ein Netzwerk aus Gedanken, ähnlich einem digitalen Zettelkasten. Obsidian eignet sich besonders für Menschen, die langfristig, strukturiert und unabhängig arbeiten möchten.

Steph Ango, der CEO von Obsidian, beschreibt seine Philosophie mit den Worten „File over app“: Nicht die App ist entscheidend, sondern die Dateien, die du kontrollieren kannst, weil sie langfristig lesbar und zugänglich bleiben.  Unsere Notizen sind eben nicht nur Daten. Sie sind Gedanken in Rohform. Erinnerungen. Entwürfe dessen, wer wir werden. Mehr zum Thema Metareflexion.

Warum ich Obsidian nutze

Ich hatte OneNote von Microsoft. Wie viele andere. Für die Uni, für Gedanken, für alles. Aber dann kam die Umstellung. Neue Cloud-Adresse, neues System. Plötzlich war nichts mehr dort, wo ich es abgelegt hatte. Also: Copy. Paste. Zehn, zwanzig Notizbücher manuell rübergezogen in Apple Notes.

Apple Notes war stabiler. Aber auch limitierter. Weniger Möglichkeiten. Kein echtes System. Mehr: Zettelwirtschaft mit hübscher Oberfläche. Und dazwischen ich – auf der Suche nach einem Ort für meine Gedanken, nicht nur nach einem Tool. Ich brauchte keinen Import. Ich brauchte einen Neuanfang.

Und dann fand ich Obsidian. Ein leerer Bildschirm. Eine einfache Textdatei. Keine Likes, keine Synchronisation, kein App-Zirkus. Nur ich. Und meine Gedanken. Und das Vertrauen, dass sie da bleiben, wo ich sie speichere: bei mir.

Obsidian ist für mich ein Versprechen:

Was ich denke, gehört mir.

Ich speichere alles lokal auf meinem Gerät, in meinem Tempo. Ich schreibe in Markdown. Das ist ein simples, offenes Format, das ich überall öffnen kann. Kein Lock-in, keine Abo-Falle, kein „Sorry, Zugriff verweigert“. Für zwischendurch habe ich eine Art Obsidian Inbox auf dem Handy.

Ich muss Obsidian nicht vertrauen. Denn ich muss mich nicht abhängig machen. Das ist der Punkt. Vertrauen entsteht nicht durch Funktionen, sondern durch Freiheit.
Obsidian gibt mir genau das: die Freiheit, meine Gedanken zu ordnen, ohne sie aus der Hand zu geben. Notizen mit Obsidian geben mir digitale Souveränität.

Wie ich Obsidian nutze

Ich nutze Obsidian für alles. Wirklich alles. Hier einige Beispiele, die Liste ist nicht vollständig:

🧠 Als zweites Gehirn – damit nichts verloren geht, was wichtig werden könnte.
📚 Als Schreibplatz für Bücher – Ideen wachsen in Knoten, Kapitel entstehen aus Notizen.
🗓️ Als Zeitplaner und To-want-Liste – was ich will, nicht nur was ich muss.
📓 Als Tagebuch – für die losen Fäden, die sich später oft zu etwas Sinnvollem verweben. Hier geht’s zu meiner Freewriting-Anleitung.
🧭 Für mein Business-Backbone – von Markenvision bis Workshop-Outline: alles verbunden.
🔖 Als Zettelkasten – ein Netz aus Gedanken, Fragen, Querverweisen, auch für meine wissenschaftliche Arbeit
📖 Zum Tracking gelesener Bücher – mit Zitaten, Reflexionen, Weiterdenken.

Obsidian ist für mich ein lebendiger Raum. Ein Ort, an dem ich mich wiederfinde. Und verliere. Und sortiere. Hier entstehen meine besten Ideen durch Verbindung. Denn Obsidian funktioniert wie mein Gehirn: vernetzt, chaotisch, neugierig.

Und genau deshalb ist es für mich mehr als ein Notiztool. Es ist ein System, das für mich funktioniert, auch wenn das Leben zwischendurch chaotisch ist. Die besten Notizen mit Obsidian entstehen, weil ich Raum lasse. Für Unschärfe. Für Wandel. Für Tiefe.

Notizen mit Obsidian – konkret, leicht, souverän

Ich mag einfache Dinge. Deshalb schreibe ich in Markdown. Keine Buttons. Kein „Fett“, „Kursiv“, „Überschrift 2“ zum Anklicken, keine Oberfläche, die zwischen mich und meine Gedanken tritt. Nur Zeichen. # für Überschriften, ** für Betonung, - für Listen. Das fühlt sich freier an. Weil ich beim Schreiben denke und nicht formatieren muss.


Mein Obsidian-Alltag sieht so aus:

  • Tägliche Journals starten mit einem Template: Datum, Stimmung, Fokus, Gedankenstrom. Ich kann sehen, was ich am gleichen Tag im letzten Jahr gemacht habe, was ich richtig cool finde. Mein System verbindet die Tage über kommende Jahre hinaus. Mehr zum Thema Selbstreflexion.
  • To-Want-Listen zeigen mir, was mich wirklich zieht – nicht nur was ich „erledigen“ muss
  • Zettelkasten für Gedanken, Zitate, Erkenntnisse – jede Notiz eine Insel mit Brücken
  • Projektstruktur für Workshops, Website, Podcast, Buchideen – alles verlinkt, alles auffindbar
  • Themenräume: Spiritualität, Forschung, Business – getrennt, aber verbunden. Mehr über mich und meinem lebenslangen Lernen.

Die Notizen mit Obsidian sind mein System, ein Garten, ein Ort, an dem Ideen wachsen dürfen, nicht durchgeplant sein müssen.

Ich bin ein Obsidian-Nerd. Und das ist gut so.

Ich liebe Verlinkungen. Ich liebe es, wenn Gedanken nicht linear sind, sondern sich verzweigen. Wenn aus einem Zitat ein neuer Gedanke entsteht. Wenn ich einen Satz von gestern mit der Frage von heute verbinden kann.

Was ist eigentlich ein Nerd?

Für mich: jemand, der sich wirklich interessiert. Der tiefer geht. Der Zusammenhänge liebt. Der sich nicht schämt, sich stundenlang mit einer Sache zu beschäftigen, nur weil sie Sinn ergibt.

Ich bin ein Obsidian-Nerd, weil ich Struktur nicht als Kontrolle sehe, sondern als Fürsorge für meine Gedanken. Ich bin ein Obsidian-Nerd, weil ich Tiefe liebe. Weil ich wissen will, wie Dinge zusammenhängen. Weil ich mir selbst beim Denken zuschauen möchte.

Früher dachte ich: Nerd sein heißt, sich mit Details zu verlieren. Heute weiß ich: Es heißt, sich nicht ablenken zu lassen. Ein Nerd ist jemand, der sich kümmert. Der Muster erkennt. Der Fragen nicht loslässt, nur weil die Welt es eilig hat. Obsidian ist mein Werkzeug dafür – mein Denkraum, mein Archiv, mein Spiegel. Es ist einfach: ein stiller Ort, an dem ich ich sein kann. Und ja, das ist spirituell. Nicht, weil es leuchtet, sondern weil es Klarheit schenkt. Weil es mir hilft, mir selbst zuzuhören.

Welche deiner Daten sind dir wirklich wichtig?

Was bleibt, wenn du morgen keinen Zugriff mehr auf deine Notizen hast?
Was davon würdest du zurückhaben wollen?

Unsere Gedanken sind flüchtig. Aber manche erinnern uns an das, was wir glauben. Oder an das, was wir fast vergessen hätten. Ich glaube, dass Notizen Spuren sind. So geht Selbstreflexion. Von dem, was uns einmal wichtig war. Von dem, was wir noch nicht in Worte fassen konnten. Von dem, was uns ausmacht. Zur Lebensrad-Vorlage.

Welche deiner Daten sind wirklich wichtig, und wo liegen sie?

Wenn du das weißt, weißt du auch, wo du anfangen kannst. Vielleicht ist es eine Liste. Vielleicht ein Tagebuch. Vielleicht einfach ein leerer Satzanfang, der noch auf deine Antwort wartet. So geht Achtsamkeitstagebuch.

Häufige Fragen zu Obsidian

„Obsidian Nerd“ ist meist liebevoll gemeint. Gemeint sind Menschen, die sich intensiv mit ihrem Notizsystem beschäftigen – nicht aus Technikverliebtheit, sondern aus Interesse an Struktur, Denken und Vernetzung. Ein Obsidian Nerd liebt es, Gedanken zu verlinken, Systeme zu optimieren und langfristig zu denken. Es geht weniger um Produktivität und mehr um Tiefe. Viele nutzen den Begriff mit einem Augenzwinkern. Gemeint ist: Ich nehme meine Gedanken ernst.

Nein, wenn du klein anfängst. Du brauchst am Anfang nur eine Notiz und einen Gedanken. Struktur entsteht mit der Zeit. Wer möchte, kann später mit Tags, Links oder einem Zettelkasten-System arbeiten.

Ja, für die private Nutzung ist Obsidian kostenlos. Zusätzliche Funktionen wie Synchronisation oder Veröffentlichung sind optional kostenpflichtig, aber nicht notwendig, um das Tool vollwertig zu nutzen.

Für Menschen, die:

  • langfristig denken
  • Wissen vernetzen wollen
  • ein zweites Gehirn aufbauen möchten
  • unabhängig von Plattformen arbeiten wollen
  • Schreiben, Forschen oder reflektieren

Nein. Markdown ist sehr einfach. Ein # macht eine Überschrift. Zwei Sternchen ** machen Text fett. Mehr braucht es am Anfang nicht.

Ja. Viele nutzen Obsidian als digitales Tagebuch. Mit einfachen Templates kannst du tägliche Einträge strukturieren. Durch Verlinkungen lassen sich Themen, Stimmungen oder wiederkehrende Gedanken später leicht wiederfinden.

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