Sprache des Buddha
Im Studium hatte ich Sanskrit und Tibetisch. Pali stand nicht auf dem Plan. Trotzdem konnte ich einen Pali-Satz halbwegs mitlesen, sobald mir einer begegnete. Dhamma statt dharma, kamma statt karma, sutta statt sūtra, nibbāna statt nirvāṇa. Die Wörter kamen mir entgegen wie abgeschliffene Verwandte, vertraut in der Form, weicher im Klang.
Eine Weile hielt ich diese Nähe für Nähe zum Buddha selbst. Hier die Sprache des Kanons, dort der Mann, der vor rund zweieinhalbtausend Jahren gesprochen hat, und dazwischen scheinbar nur ein kleiner Schritt. Im Uniseminar erfuhr ich dann: Der Buddha hat vermutlich nie Pali gesprochen.
Einen Moment lang fühlte sich das an wie ein Verlust. Als rückte der Mensch, den ich suchte, noch eine Sprache weiter weg. Später wurde daraus eine der schöneren Einsichten meines Studiums.
Welche Sprache sprach der Buddha?
Der Buddha sprach höchstwahrscheinlich ein frühes Mittelindisch, eine volkssprachliche Prakrit-Form aus dem Osten der Gangesebene, im Nordosten des heutigen Indien. In der Forschung läuft diese Sprache oft unter dem Namen Alt-Māgadhī. Pali ist eine spätere Sprache, in der seine Lehre gesammelt und bewahrt wurde.
Der Name Alt-Māgadhī bleibt dabei eine geographische Näherung, mehr Arbeitsbegriff als Befund. Die frühesten datierbaren Zeugnisse des Mittelindischen sind die Aśoka-Inschriften aus dem dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, gut zweihundert Jahre nach dem Buddha, und sie zeigen bereits ein ausgeprägtes Nebeneinander verwandter Dialekte. Alles, was über seine persönliche Sprache gesagt wird, ist aus dem erschlossen, was danach kam.
Diese Unterscheidung klingt technisch, sie berührt aber den Kern dessen, wie Überlieferung überhaupt funktioniert.
Sanskrit, Prakrit, Pali: drei Sprachen, kurz sortiert
Drei Namen tauchen in dieser Frage immer wieder auf. Sie lassen sich in wenigen Sätzen ordnen.
Sanskrit ist die klassische Hochsprache des alten Indien, die Sprache der Priester, der Gelehrten und der vedischen Texte. Wer sie beherrschte, gehörte zur gebildeten Schicht. Ihre gesellschaftliche Rolle ähnelt der des Lateins im mittelalterlichen Europa.
Prakrit ist der Sammelbegriff für die gesprochenen Volkssprachen jener Zeit, die aus derselben Wurzel stammen. Sie verhalten sich zum Sanskrit ungefähr so wie Italienisch, Spanisch und Französisch zum Latein: verwandt, im Klang einfacher, im Alltag zu Hause. Māgadhī war eine dieser Volkssprachen, gesprochen im Nordosten, im Reich Magadha. Der Buddha zog allerdings durch ein deutlich größeres Gebiet: Kosala, Kāśī, das Land der Vajji und der Malla gehörten ebenso zu seinen Wirkungsorten. Ihn auf eine einzige Regionalsprache festzulegen, greift daher zu kurz.
Pali ist eine mittelindische Sprache dieser Familie, festgehalten in Schrift, und darin die Sprache des ältesten vollständig erhaltenen buddhistischen Kanons. Als Alltagssprache existiert sie heute nirgends mehr. Gelesen und rezitiert wird sie in den Theravāda-Ländern täglich.
Weil Pali und Sanskrit so eng verwandt sind, begegnen dir dieselben Begriffe in zwei Gewändern: dhamma und dharma, kamma und karma, nibbāna und nirvāṇa, sutta und sūtra. Die meisten Wörter, die du aus dem westlichen Buddhismus kennst, gibt es in beiden Fassungen. Wer die zentralen Begriffe der Lehre sortiert sehen möchte, findet sie in den Grundlagen des Buddhismus.
Wie viele Sprachen spricht ein Mensch in Indien?
Oft mehrere, und zwar am selben Tag. Die Volkszählung von 2011, die jüngste mit ausgewerteten Sprachdaten, verzeichnet 121 Sprachen mit mehr als zehntausend Sprechenden, 22 davon führt die Verfassung als offizielle Sprachen. Gut ein Viertel der Bevölkerung lebt zweisprachig, sieben Prozent dreisprachig. Im Alltag heißt das: die Amtssprache des Bundesstaats im Behördengang, Hindi oder Englisch, sobald es über die Region hinausgeht, die Familiensprache zu Hause, im Tempel eine liturgische Sprache, die kaum jemand als Muttersprache spricht, und im Nachbardorf womöglich noch eine weitere. Sprachen liegen dort übereinander wie Schichten, jede mit ihrem eigenen Ort.
Diese Ordnung ist alt. Die Gangesebene zur Zeit des Buddha war ein Dialektkontinuum, verwandte Sprechweisen, die sich von Dorf zu Dorf ein Stück verschoben und an den Rändern in etwas anderes übergingen. Dazu kamen Sprachen aus ganz anderen Familien, denn dravidisch und munda sprechende Bevölkerungen lebten in derselben Region. Bryan Levman hat in den Lehrreden Wörter gefunden, die in indoarischer und in indigener Form nebeneinander stehen, im Text und im Kommentar, als hätte dort jemand zu zwei Sprachgruppen zugleich gesprochen.
Aus dem heutigen Indien lässt sich über das fünfte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung nichts beweisen. Was sich verschiebt, ist die Frage. Wer mehrsprachig lebt, wird selten danach gefragt, welche Sprache er wirklich spricht. Genau diese Frage stellen wir dem Buddha.
Ich habe das von der anderen Seite gelernt. Mein Masterstudium neben dem Beruf läuft komplett auf Englisch, und im teilweise englischsprachigen Bachelor musste ich mir diese Sprache erst zurückholen, nachdem sie über die Jahre eingestaubt war. Ausgerechnet für einen Lehrer, der seine Worte an keine bestimmte Sprache binden wollte, stand bei mir am Anfang eine Sprachhürde. Diese Reihenfolge hat mich eine Weile beschäftigt.
Warum viele glauben, der Buddha habe Pali gesprochen
Diese Annahme hat nachvollziehbare Gründe, drei davon liegen offen.
Erstens sagt die Tradition selbst es so. Der große Kommentator Buddhaghosa nannte die Sprache des Kanons Māgadhī und verstand sie als die Sprache des Buddha, in manchen Texten sogar als die Ursprache aller Wesen, mūlabhāsā. Für eine Überlieferung, die ihre Autorität aus der Nähe zum Gründer bezieht, ist das eine stimmige Sicht. K. R. Norman hat vermutet, dass dabei auch Politik mitspielte: Magadha wurde in der Maurya-Zeit zum Zentrum des Subkontinents, und die Sprache des Zentrums bot sich als Sprache des Ursprungs an.
Zweitens ist der Pali-Kanon die älteste vollständig erhaltene Sammlung buddhistischer Texte. Älteste Sammlung und ursprüngliche Sprache liegen im Alltagsverständnis nah beieinander und fallen leicht zusammen.
Drittens prägt der Name selbst. Pāli bedeutete ursprünglich schlicht Text oder Textzeile, im Unterschied zum Kommentar. Aus der Sprache der Texte wurde allmählich eine Sprache namens Pali. Im neunzehnten Jahrhundert kam ein weiterer Schub dazu: Die europäische Indologie, allen voran Thomas William Rhys Davids und die 1881 gegründete Pali Text Society, machte den Pali-Kanon zum Maßstab für den ursprünglichen Buddhismus und stellte ihn den späteren Mahāyāna-Traditionen gegenüber. Diese Wertung sitzt bis heute in vielen Einführungsbüchern, in denen buddhistische Begriffe wie selbstverständlich in Pali erscheinen. Wer über den Buddhismus liest, lernt seine Sprache zuerst in Pali kennen.
Dazu kommt eine Unschärfe im Namen Māgadhī selbst. Er trägt drei verschiedene Dinge auf einmal: die hypothetische Umgangssprache des alten Magadha zu Buddhas Zeit, die östliche Dialektform der Aśoka-Inschriften und die literarische Māgadhī, die Prakrit-Grammatiker Jahrhunderte später beschrieben und systematisierten. Sobald diese drei auseinandertreten, verliert die Gleichung von Kanonsprache und Buddhasprache ihre Selbstverständlichkeit.
So entsteht der Eindruck einer geraden Linie vom Buddha zum Pali-Text. Die Sprachwissenschaft findet an dieser Stelle eine Verzweigung.
Hat der Buddha Pali gesprochen?
Nach dem Stand der Forschung sprach er kein Pali, jedenfalls kein Pali in der Gestalt, die uns überliefert ist. Der historische Buddha lebte und lehrte im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung entlang der Gangesebene. Die Menschen dort sprachen mittelindische Volkssprachen, Prakrits, jede Region ihre eigene. Als Wanderlehrer, dem die Verständlichkeit wichtig war, sprach er die Sprache derer, denen er begegnete.
Pali dagegen ist eine mittelindische Literatur- und Liturgiesprache. Sprachwissenschaftlich zeigt sie Merkmale aus verschiedenen Dialekten, unter anderem westliche Züge, die zur Sprache Magadhas gerade nicht passen. Die Forschung liest Pali deshalb als eine zusammengesetzte, überregionale Kanonsprache, entstanden im Prozess der Überlieferung, als Sprache einer bestimmten Ordinationslinie. Oskar von Hinüber hat gezeigt, dass dabei echte mittelindische Formen unter dem wachsenden Einfluss des Sanskrit umgeformt wurden, und Pali deshalb eine künstliche Sprache genannt. K. R. Norman und Kate Crosby beschreiben es ähnlich: alte Schichten, bewahrt in einer Sprache, die selbst schon Überlieferungsarbeit ist.
Bryan Levman geht einen Schritt weiter und rekonstruiert hinter den verschiedenen Überlieferungen eine frühe mittelindische Koine: eine dialektübergreifende Verständigungssprache, entstanden durch Ausgleich und Vereinfachung zwischen den Dialekten. In einer späteren Arbeit hält er es für wahrscheinlich, dass der Buddha eine unmittelbare Vorstufe des Pali sprach, dem heutigen Pali nah verwandt und in Wortformen, Grammatik und Bedeutungen doch eigen.
Eine Minderheit hält dagegen. Richard Gombrich vermutet, dass der Buddha sich auf seinen Wanderungen eine eigene überregionale Verkehrssprache zurechtlegte, und dass Pali eben diese Sprache spiegelt. Stefan Karpik hat die These 2019 ausführlich begründet und die Theravāda-Überlieferung damit zurück in die Fachdiskussion geholt. Die Mehrheit der Sprachforschung bleibt bei der zusammengesetzten Kanonsprache, die Frage selbst ist seither wieder offen.
Die moderne Philologie trennt also zwei Dinge, die in der Tradition eins sind: die verehrte Kanonsprache hier, die vermutete gesprochene Sprache dort.
Jahrhunderte im Gedächtnis, dann auf Palmblatt
Zwischen dem gesprochenen Wort und dem geschriebenen Text liegt eine lange Strecke. Die Lehrreden wurden zunächst mündlich weitergegeben, auswendig gelernt, gemeinschaftlich rezitiert, über Generationen. Erst um das erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurden sie in Sri Lanka, der Überlieferung nach im Höhlenkloster Aluvihāra bei Matale, auf Palmblätter geschrieben.
Dazwischen liegen rund drei bis vier Jahrhunderte Erinnerung, Rezitation und dialektale Anpassung. Was heute im Pali-Kanon steht, ist also keine Tonaufnahme, sondern das Ergebnis eines langen, sorgfältigen Weitertragens. Die ursprüngliche Wortgestalt lässt sich nur noch rekonstruieren, indem verschiedene Überlieferungsströme verglichen werden, neben Pali etwa die Gāndhārī-Handschriften und das buddhistische Hybrid-Sanskrit.
Wer im christlich geprägten Europa aufgewachsen ist, kennt dieselbe Konstellation, ohne sie meist so zu nennen. Jesus sprach Aramäisch, überliefert ist das Neue Testament auf Griechisch. Auch dort liegt zwischen dem gesprochenen Wort und dem geschriebenen Text ein Sprachwechsel, und auch dort lebt die Überlieferung genau in diesem Übergang.
Die Stelle, an der der Buddha die vornehme Sprache ablehnt
Es gibt eine Textstelle, die genau davon handelt. Im Cullavagga, einem Teil der Ordensregeln, treten zwei Mönche auf, die Brüder Yameḷu und Tekula, von brahmanischer Herkunft und geschult in feiner Sprache. Sie schlagen dem Buddha vor, seine Worte in chandas zu setzen. Was dieser Ausdruck meint, wird unterschiedlich gelesen: die vedische Sprache, die metrisch gebundene Form der vedischen Rezitation oder allgemein den brahmanischen Hochsprachenstandard. Gemeinsam ist allen Lesarten die Richtung, in die der Vorschlag zielt: hinauf, in das Register der gebildeten Schicht.
Der Buddha lehnt ab. Stattdessen erlaubt er, seine Worte sakāya niruttiyā zu lernen, in der eigenen Sprache. Was dieser Ausdruck genau meint, wird bis heute diskutiert. Die meisten Forschenden lesen ihn so, dass jeder die Lehre in seiner eigenen Mundart aufnehmen soll, passend zu einem Lehrer, dem Verständlichkeit über Vornehmheit ging. Buddhaghosa deutete ihn enger, als die eigene Sprache des Buddha, das Māgadhī. Bryan Levman hat die Debatte in einer eigenen Studie noch einmal aufgerollt und beide Lesarten sorgfältig gegeneinander gestellt.
So oder so bleibt die Haltung dieselbe: Die Lehre sollte in der Sprache der Menschen leben, nicht in einer heiligen Sondersprache eingeschlossen werden.
Eine Lehre, die übersetzt werden wollte
Hier wendet sich die anfängliche Enttäuschung. Wer nach dem einen, echten Originalwortlaut sucht, sucht nach etwas, das der Buddha selbst gar nicht wollte. Er hat seine Lehre nicht in einer prestigeträchtigen Sprache fixiert, sondern sie ausdrücklich für die Übersetzung freigegeben.
Das kenne ich aus dem Tibetischen. Der tibetische Kanon ist von der ersten Zeile an ein Übersetzungswerk. Ab dem achten Jahrhundert übertrugen indische Gelehrte und tibetische Übersetzer Sanskrittexte so systematisch, dass im frühen neunten Jahrhundert eigens ein Wörterbuch entstand, die Mahāvyutpatti, die festlegte, welcher tibetische Begriff welchem Sanskritwort entspricht. Eine ganze Tradition, gebaut auf Übersetzung, und sie ist seit über tausend Jahren lebendig.
Das passt zu vielem, was der Buddhismus über die Wirklichkeit sagt. Nichts bleibt unverändert stehen, auch Worte nicht. Eine Lehre, die von Anfang an durch Sprachen, Münder und Jahrhunderte wandert, verkörpert die Vergänglichkeit, von der sie spricht. Was zählt, ist nicht der eingefrorene Laut, sondern das, was sich im Übersetzen bewahrt und weitergeben lässt.
Vielleicht komme ich dem Buddha also doch nahe, wenn ich mir einen Pali-Satz über das Sanskrit erschließe. Nur anders, als ich zuerst dachte. Nicht über die eine wahre Sprache, sondern über eine Kette von Menschen, die seine Worte weitergaben, jeder in seiner eigenen Zunge. Ich stehe ziemlich weit hinten in dieser Kette und lese auf Deutsch.
Was der Buddha wirklich sprach, im Überblick
Die kurze Antwort lautet: ein frühes Mittelindisch aus dem Osten der Gangesebene, vielleicht daneben eine überregional verständliche Verkehrssprache, in jedem Fall die Alltagssprache der Menschen. Pali kam später und wurde zur Sprache des südlichen Kanons. Und die Frage nach dem Original öffnet sich, statt sich zu schließen, in eine ruhigere Einsicht darüber, wie Weisheit durch die Zeit reist.
Häufige Fragen
Welche Sprache sprach der Buddha?
Der Buddha sprach vermutlich ein frühes Mittelindisch, eine gesprochene Prakrit-Form aus dem Osten der Gangesebene, in der Forschung oft Alt-Māgadhī genannt. Dieser Name ist eine geographische Näherung und bleibt eine Hypothese, weil aus seiner Lebenszeit keine Sprachzeugnisse erhalten sind. Sicher ist, dass er eine Volkssprache verwendete und keine gelehrte Hochsprache.
Hat der Buddha Pali gesprochen?
Nach dem Stand der Forschung sprach er kein Pali in der überlieferten Form. Pali ist eine spätere, zusammengesetzte Literatur- und Kanonsprache; K. R. Norman, Oskar von Hinüber und Kate Crosby beschreiben sie als Ergebnis der Überlieferung. Eine Minderheitsposition, vertreten von Richard Gombrich und Stefan Karpik, hält es für möglich, dass die Lehrsprache des Buddha sinnvoll Pali genannt werden kann. Die Mehrheit der Sprachforschung folgt weiterhin der ersten Lesart.
Warum glauben viele, der Buddha habe Pali gesprochen?
Weil die Theravāda-Tradition die Sprache ihres Kanons selbst als die Sprache des Buddha versteht und weil der Pali-Kanon die älteste vollständig erhaltene Textsammlung ist. Dazu kommt die europäische Indologie des neunzehnten Jahrhunderts, die Pali zum Maßstab für den ursprünglichen Buddhismus erklärte. Seither erscheinen buddhistische Begriffe in westlichen Einführungen meist in Pali.
Was ist Pali überhaupt?
Pali ist eine mittelindische Sprache und die Kanonsprache des Theravāda-Buddhismus. Der Name bedeutete ursprünglich Text oder Textzeile, im Unterschied zum Kommentar. Als Alltagssprache wird Pali heute nirgends mehr gesprochen, in den Theravāda-Ländern jedoch täglich rezitiert.
Was ist der Unterschied zwischen Pali und Sanskrit im Buddhismus?
Pali ist die Kanonsprache des Theravāda, ein mittelindisches Prakrit. Sanskrit ist die klassische indische Hochsprache, in der später viele Mahāyāna-Texte und das buddhistische Hybrid-Sanskrit verfasst wurden. Beide gehören zur selben Sprachfamilie und sind eng verwandt, viele Begriffe entsprechen einander direkt: dhamma und dharma, kamma und karma, nibbāna und nirvāṇa. Der Buddha sprach keine von beiden in ihrer klassischen Form.
In welcher Sprache wurde die Lehre des Buddha aufgeschrieben?
Die Lehrreden wurden über Jahrhunderte mündlich überliefert und um das erste Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Sri Lanka erstmals auf Pali niedergeschrieben.
Quellen
K. R. Norman, „The Dialects in Which the Buddha Preached“, in: Heinz Bechert (Hg.), Die Sprache der ältesten buddhistischen Überlieferung, Göttingen 1980, S. 61–77.
K. R. Norman, A Philological Approach to Buddhism, London 1997.
Oskar von Hinüber, „Pāli as an Artificial Language“, in: Indologica Taurinensia 10 (1982), S. 133–140.
Oskar von Hinüber, A Handbook of Pāli Literature, Berlin 1996.
Kate Crosby, Theravada Buddhism. Continuity, Diversity, and Identity, Wiley Blackwell 2014, zur Herkunft des Sprachnamens Pali und zur Rolle der westlichen Philologie.
Zur europäischen Prägung des Pali-Bildes: Thomas William Rhys Davids und die 1881 gegründete Pali Text Society.
Bryan Levman, „Sakāya niruttiyā revisited“, in: Bulletin d’Études Indiennes 26–27 (2008–2009), S. 33–51.
Bryan Levman, „The Language of Early Buddhism“, in: Journal of South Asian Languages and Linguistics 3.1 (2016), S. 1–41, zur Koine-These.
Bryan Levman, „The Language the Buddha Spoke“, in: Journal of the Oxford Centre for Buddhist Studies 17 (2019), S. 63–105.
Bryan Levman, „Bilingualism in the Brahmajālasutta, Indo-Aryan & Indigenous“, in: Language in India 21.4 (2021), zu indoarischen und indigenen Wortpaaren in den Lehrreden.
Zur Sprachenvielfalt der Gegenwart: Census of India 2011, Language Atlas, 121 Sprachen mit über zehntausend Sprechenden, 22 Sprachen im Achten Verfassungszusatz.
Zur Minderheitsposition: Richard Gombrich, Buddhism and Pali, Mud Pie Slices 2018, Kapitel 4, sowie Stefan Karpik, „The Buddha Taught in Pali: A Working Hypothesis“, in: Journal of the Oxford Centre for Buddhist Studies 16 (2019), S. 10–86.
Primärstelle: Vinaya, Cullavagga V.33 (Vin II 139), zur Passage sakāya niruttiyā.
Zur tibetischen Übersetzungsarbeit: Mahāvyutpatti und das begleitende sGra sbyor bam po gnyis pa, frühes 9. Jahrhundert.
