Nach dem Buchlaunch: Wenn es draußen ist
Field Note: In der Zeit des Buchlaunches
Ich saß bei der Friseurin und schaute ihr beim Schneiden zu. Unsere Blicke trafen sich im Spiegel und sie fragte: „Sag mal, bist du nun richtig glücklich, weil du ein Buch veröffentlicht hast?“
Ich musste erst einmal in mich hineinhorchen. Ich kannte die Antwort nicht.
Die Frage, die nicht passte
Eine Woche nach dem offiziellen Erscheinen von „Nicht jetzt! Zwischen Monkey Mind und Stille“ ist mir aufgefallen, dass die Frage „Bist du nun glücklich?“ eigentlich an der falschen Stelle ansetzt. Sie tut so, als gäbe es einen Moment, in dem das Buch die Autorin glücklich macht. Sie zielt nach innen.
Was sich tatsächlich verschoben hat, ist nicht in mir. Es ist zwischen mir und anderen.
Diese Beobachtung wäre mir nicht so klar geworden, wenn nicht eine Reihe konkreter Begegnungen aus dieser Launch-Woche das Material dafür geliefert hätten. Vier davon stehen hier.
Begegnungen einer Woche
Eine Buchhandlung in Buxtehude
Vor ein paar Tagen war ich in Buxtehude, in der Lange Straße, bei Stackmann Buch und Papier. Stackmann ist hier in der Region seit 1919 ein Begriff, ein Familienunternehmen in vierter Generation, das mit einem Modehaus angefangen hat und heute auch eine Buchabteilung in der Altstadt führt. Ich habe eine Vereinbarung getroffen: Sie verkaufen mein Buch auf Kommission.
Die Frau am Tresen hat sich Zeit genommen, das Cover angeschaut, gefragt, worum es geht. Ich habe es ihr in zwei Sätzen erklärt, knapper als bei den meisten Gelegenheiten der letzten Wochen. Sie hat genickt und die Bücher entgegengenommen. Selbstverständlich, mit beiden Händen.
Das fühlt sich richtig an. Eine kleine Vereinbarung, eine kleine Geste, ein Buch in einem Regal, mit Menschen, die das Cover sehen und sich vielleicht trauen, es in die Hand zu nehmen.
Vier verkaufte Bücher auf einer fremden Bühne
Field Note: Samstag, 16.05.2026
Ich war auf einer Geburtstagsfeier. Menschen, die ich lange nicht gesehen hatte. Sie haben gefragt, was ich gerade so mache. Ich habe ein bisschen vom Buch erzählt. Was die Frage nach dem „Nicht jetzt“ eigentlich aufmacht. Eine Frau kam von der Seite und sagte, sie habe genau dieses Gefühl, dass etwas immer auf später vertagt wird, ohne dass jemand das ausspricht. Eine andere fragte, ob das Meditieren auch für sie funktionieren könne, obwohl sie es noch nie probiert hatte.
Am Ende hatte ich vier Bücher verkauft.
Das war mir hinterher fast peinlich. Es war nicht meine Bühne. Ich war zu Gast bei einem Geburtstagskind, das selbst im Mittelpunkt stehen sollte. Ich habe sie angesprochen, weil mir das ein komisches Gefühl gegeben hat. Sie hat mich beruhigt, gesagt, sie unterstützt mich darin. Ich habe das angenommen.
Aber es fühlt sich trotzdem immer noch merkwürdig an. Es waren echte Gespräche, ich habe niemandem etwas verkauft, sondern erzählt, worum es geht. Trotzdem war ich im Raum einer anderen Person und habe Aufmerksamkeit bekommen, die eigentlich für andere bestimmt war. Das schreibe ich auch hier auf, weil eine Field Note ehrlich sein muss.
Eine Kollegin, die das Buch weiterträgt
Da ist eine Arbeitskollegin. Wir arbeiten beide bei derselben Firma, aber in unterschiedlichen Orten. Sie hat das Buch von Anfang an mitverfolgt. Sie hat ein Leseexemplar bei sich, das sie weitergibt. Sie sagt jeder Person, die es ausleiht, dass sie es zurückbringen soll, und das funktioniert. Sie macht Werbung in Kreisen, in denen ich gar nicht selbst auftrete. Sie hat immer an mich geglaubt, auch in Phasen, in denen ich es selbst nicht so genau wusste.
Fünf Sterne
Und dann gab es noch einen Moment. Bei Amazon stand plötzlich eine Bewertung. Die erste. Fünf Sterne. Mehr habe ich im ersten Augenblick gar nicht im Detail gelesen, weil mich diese fünf Sterne so umgehauen haben. Ich saß am Schreibtisch und habe kurz stillgehalten, ohne weiterzuscrollen.
Jemand hat das Buch gelesen und sich Zeit genommen, etwas zu schreiben. Das ist ein Akt. Das macht niemand aus Pflicht. Das macht jemand, weil etwas angekommen ist.
Was sich verschoben hat — und was nicht
Wenn ich diese Begegnungen nebeneinanderlege — Stackmann, Geburtstagsfeier, meine Kollegin, die Rezension, dann sehe ich etwas, das in der ursprünglichen Friseurin-Frage so nicht vorgesehen war.
Innerlich bewegt hat sich gerade nicht das, was eine Buchveröffentlichung bewegen kann. Keine Schwelle, kein Vorher und Nachher. Das Schreiben war meine ganz persönliche Form der Entspannung, nach 20 Uhr, offline, mit der Hand auf einem ganz normalen A4 Collegeblock, liniert. Das Buch im Regal ist das Ergebnis. Es ist vielleicht der Moment, in dem etwas Neues anfängt, was ich ebenfalls aufschreibe.
Was sich tatsächlich verschoben hat, geschieht zwischen Menschen. Das Buch realisiert sich nicht in der Autorin. Es realisiert sich in Gesprächen, in der Neugier der Friseurin, in der Verlässlichkeit von Menschen, in der Spontanität der Gäst:innen auf der Feier, in der stillen Geste eines Menschen, der eine Bewertung schreibt.
Neugierige, die noch nie meditiert haben
Etwas habe ich in dieser Woche nicht erwartet. Es gibt einige Menschen in meinem Umfeld, die bisher noch nie meditiert haben. Die sich aber immer schon mal gefragt haben, wie das wohl ist. Die nie den Anlass hatten, sich damit zu beschäftigen. Diese Menschen sind jetzt neugierig geworden. Sie schauen sich das Buch an, weil sie über mich darauf gestoßen sind, nicht über das Thema. Sie nehmen einen Umweg, der für sie funktioniert.
Ich hatte gedacht, das Buch erreicht vor allem die, die schon auf dem Weg sind. Aber es erreicht auch die, die noch zögern. Vielleicht sogar besonders die. Das ist eine andere Erkenntnis als die, die ich aus dem Schreibprozess mitgenommen habe. Sie ist neu.
Eine andere Antwort für die nächste Begegnung
Wenn meine Friseurin mich das nächste Mal fragt, ob ich nun glücklich bin, werde ich etwas anderes sagen. Vielleicht so: Glücklicher als vorher bin ich nicht. Aber ich bin mehr mit Menschen verbunden, die ich vorher nicht gekannt habe. Und manchmal mit Menschen, die ich schon lange kenne, auf eine Art, die ich vorher nicht gekannt habe.
Vielleicht war „glücklich“ nie das richtige Wort für das, was passiert, wenn ein Buch draußen ist. Ich bin erleichtert, ja. Vielleicht ist es auch: in Verbindung. In Resonanz. In einem Gespräch, das ich allein nicht führen könnte.
Das ist mehr, als ich erwartet hatte. Und es ist anders.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Nicht jetzt! zwischen Monkey Mind und Stille“?
Der Titel benennt den Spalt, in dem viele leben: zwischen dem unruhigen Gedankenstrom, dem sogenannten Monkey Mind, und der Stille, nach der dieser Strom sich sehnt, ohne sie zu finden. „Nicht jetzt“ ist die Stimme, die im Inneren immerzu auf später vertagt. Ich kenne sie selbst gut, deshalb habe ich meinen Podcast danach benannt. Einige Ideen zu diesen Geschichten sind mir beim Aufnehmen gekommen. Manche habe ich selbst so ähnlich erlebt. Wiederum andere wurden mir so oder ähnlich zugetragen. Im Podcast erzähle ich von ähnlichen Nicht-Jetzt-Momenten. Das Buch versammelt sechzehn solcher Momente.
Was sind Field Notes auf BuddhasPfad?
Field Notes sind kurze, beobachtende Texte aus dem Alltag der Autorin. Notizen aus der Praxis — welche Begegnungen entstehen, welche Fragen bleiben, was eine Woche mitnimmt. Sie ergänzen die ausführlicheren Essays auf dem Blog.
Wo ist das Buch erhältlich?
Im Buchhandel und bei den großen Online-Händlern, seit dem 18. Mai 2026. Lokal in Buxtehude auch bei Stackmann Buch und Papier.
