Field Notes: Mit dem Fahrrad durch Tokyo

Fahrradweg in Tokio mit weißer Markierung auf Asphalt – Perspektive aus der Sicht einer Radfahrerin

Heute geht’s ums Fahrradfahren in Tokyo. In Japan ist Linksverkehr. Die Fahrradwege befinden sich meist auf der Straße. Doch nicht nur das. Viele Tokyoter*innen fahren trotzdem auf dem Gehweg.

Fahrradwege auf der Straße, Fußwege im Zweifelsfall

Obwohl es eigene Fahrradwege auf den Straßen gibt, die häufig, aber nicht immer, blau markiert sind, sehe ich viele Tokyoter*innen auf den Gehwegen radeln, insbesondere dann, wenn sie der Meinung sind, dass der Verkehr dies notwendig macht. Und hier wird es interessant: Die Gehwege sind durch eine breite gelbe Markierung mit Erhebungen für sehbehinderte Menschen gekennzeichnet. Ursprünglich dachte ich, dass diese Markierungen die Trennung zwischen Fahrradweg und Gehweg darstellen sollten und wunderte mich, dass die Fahrradfahrenden mal rechts von der gelben Linie und mal rechts von der gelben Linie fahren.

Chaosmodus auf Fußwegen

Tokyo ist eine Stadt, die für ihre Ordnung und Disziplin bekannt ist, besonders wenn es um öffentliche Verkehrsmittel geht. Doch auf den Gehwegen gilt es: Achtung! auch für die Fußgänger*innen. Im Gegensatz zu den disziplinierten Warteschlangen an Bahnhöfen und Rolltreppen sind auch Fußgänger*innen eher planlos und gehen nicht strikt auf der linken Seite. Kurioserweise sind sogar Markierungen an einigen U-Bahnstationen, dass man rechts gehen soll. Kein Wunder, dass die Menschen mal so und mal so laufen.

Mit dem Fahrrad unterwegs

Ich selbst bin sehr gerne und oft hier mit dem Fahrrad unterwegs. Außerdem sagt mir Google Maps, dass ich manchmal sogar mit dem Fahrrad schneller bin als mit der Metro. Meistens fahre ich tatsächlich auf den Fahrradwegen, die es auf der Straße gibt, weil ich hier überwiegend alleine mit dem Rad unterwegs bin und mich nicht durchschlängeln muss. Allerdings kommen die Autos manchmal recht nahe. Eine Mindestabstandsregelung scheint es hier nicht zu geben. Wohin ich so fahre: Zum Taiko-Lab natürlich zum Trommelunterricht, zum nächsten Tempel zum Meditieren, in meinen Lieblingspark ins Grüne, zu anderen Unis, weil es auch dort interessante Veranstaltungen gibt…

Nichtraucherfußwege – Rauchverbot in der Öffentlichkeit?

Eine weitere Besonderheit, die ich bemerkt habe, sind die sogenannten „Nichtraucherfußwege“. Japan hat strenge Gesetze und Vorschriften in Bezug auf das Rauchen in der Öffentlichkeit. In einigen Gebieten ist das Rauchen auf der Straße sogar illegal.

Die Frage bleibt: Warum fahren Tokyoter*innen auf den Gehwegen, obwohl es Fahrradwege gibt? Die Antwort bleibt vielleicht im Verborgenen, aber es ist ein weiteres faszinierendes Element des täglichen Lebens in Tokyo. In einer Stadt, die für ihre Genauigkeit und Disziplin bekannt ist, sind diese kleinen Abweichungen vielleicht der Beweis, dass in den geordnetsten Städten immer Raum für Überraschungen bleibt.

🚲 Tokyo hat viele Regeln – und ebenso viele Ausnahmen. Und genau das macht das Radfahren hier so besonders.

👉 Du willst wissen, warum ich Tokyo mit y schreibe, obwohl ich über Tokio blogge? Dann lies hier weiter.

Bis zum nächsten Mal, wenn ich euch von meinem Alltag in Tokyo berichte.

Träume leben: Vom Herzschlag der Taiko-Trommel

VUCA-Mind im Zen-Dōjō: Meine Zazen-Erfahrung

Hiroshima: Eine Reise durch das Herz

Oder du schaust gleich auf die ganze Kategorieseite: Faszination Japan

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