Spiritualität leben: achtsam und neugierig im Alltag
Jan 13, 2025
Spiritualität – ein großes Wort, das oft schwer greifbar scheint.
Sie ist für mich kein Gegensatz zur Wissenschaft, keine Flucht aus der Realität und auch kein festgelegtes Glaubenssystem. Sie ist die Fähigkeit, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen und gleichzeitig neugierig in den Himmel zu schauen.
In einer Welt, die von Technologie, Fortschritt und einer Flut an Informationen geprägt ist, sehe ich Spiritualität als eine Balance. Sie ist ein Weg, geerdet zu bleiben, während wir Neues entdecken, lernen und wachsen – sowohl innerlich als auch äußerlich.
1. Spiritualität verstehen
Der Duden, der oft als Standardwerk der deutschen Sprache gesehen wird, gibt als Bedeutung: “Geistigkeit; inneres Leben, geistiges Wesen” (1)
Das Wort Spiritualität hat seine Wurzeln im Lateinischen und ist, wie der Duden auch angibt, eng mit dem Begriff des Geistes oder auch der Seele verbunden.
Spiritualität im europäischen Kontext
Schauen wir uns die etymologische Herleitung im europäischen Kontext ein wenig genauer an:
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Lateinische Wurzeln:
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Der Ursprung liegt im lateinischen Wort spiritus, was „Atem“, „Hauch“, „Geist“ oder „Lebenskraft“ bedeutet. Im alten Rom war spiritus sowohl ein physischer Begriff (für den Atem des Lebens) als auch ein metaphysischer (für die Essenz oder Seele).
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Der Begriff leitet sich von der Wurzel spirare ab, was „atmen“ bedeutet.
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Frühes Christentum:
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In christlichen Texten entwickelte sich spiritualitas, ein Begriff, der den „geistigen Zustand“ oder das Leben im Geist Gottes beschreibt. Es wurde im Gegensatz zu materialitas (Materie oder das Weltliche) verwendet.
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Französischer Einfluss:
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Im Mittelalter wurde der lateinische Begriff ins Französische als spiritualité übernommen und verbreitete sich in Europa. Er wurde sowohl in religiösem Kontext als auch für innere, nicht-materielle Aspekte des Lebens genutzt.
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Deutsche Sprache:
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Im Deutschen übernahm man das Wort Spiritualität aus dem Lateinischen und Französischen, zunächst hauptsächlich im religiösen Sinne. Mit der Aufklärung und später durch die moderne Philosophie und Psychologie wurde es auch für säkulare und persönliche Wege der Sinnsuche verwendet.
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Die Etymologie im europäischen Kontext zeigt also, dass Spiritualität ursprünglich die Verbindung zum Atem des Lebens und zum Geist betonte, aber auch als eine religiöse Bedeutung haben kann.
Spiritualität: keine einheitliche Definition
Spiritualität bedeutet nach meiner Auffassung, das Leben in seiner Tiefe zu erfahren, mit Offenheit auf das Unbekannte zuzugehen und anzuerkennen, dass wir Menschen längst nicht alles wissen – und genau das macht es so spannend.
Für mich hat Spiritualität keine starre Definition. Sie ist nicht an Religion gebunden und auch kein festgelegter Zustand. Sie ist ein Prozess, ein innerer Weg, der uns mit uns selbst, anderen Menschen und der Welt verbindet.
Spiritualität ist auch die Anerkennung, dass wir nicht alles verstehen können – weder die Wissenschaft noch die Technologie haben darauf eine Antwort.
Diese Lücken, diese offenen Fragen, sind für mich das Herzstück von Spiritualität: Neugier, Staunen und das Wissen, dass immer noch Raum für Wachstum und Entdeckung bleibt.
Spiritualität zeigt sich für mich in drei zentralen Aspekten:
Verbindung: Zu uns selbst, zur Natur, zur Gemeinschaft.
Achtsamkeit: Im Moment zu leben, das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen.
Offenheit für Neues: Lebenslanges Lernen, die Bereitschaft, das Unerforschte zu begrüßen und Veränderungen anzunehmen.
2. Spiritualität im Alltag leben: Wie geht das?
Spiritualität im Alltag zu leben bedeutet für mich, bewusst im Hier und Jetzt zu sein und zugleich offen für Neues zu bleiben. Es ist kein komplizierter Prozess – oft zeigen sich die größten Momente der Spiritualität in den kleinsten Dingen:
- Neues ausprobieren: Eine unbekannte Meditationspraxis, ein inspirierendes Buch lesen oder einfach mal eine andere Perspektive einnehmen.
- Achtsame Rituale: Den Tag bewusst beginnen, z. B. mit einem stillen Moment, einer kurzen Reflexion oder einem Dankbarkeitstagebuch.
- Bewusste Reflexion: Sich selbst regelmäßig fragen: „Was kann ich heute lernen?“
- Erdung in der Natur: Ein Spaziergang, bei dem ich mich auf das Geräusch der Blätter oder den Duft der Luft konzentriere.
- Technologie und Spiritualität verbinden: Z. B. durch eine Meditations-App, die hilft, eine regelmäßige Praxis aufzubauen, oder durch digitale Tools, die Achtsamkeit fördern.
Spiritualität lebt von der Offenheit, auch im Alltag das Ungewohnte zuzulassen. Sie lädt uns ein, die Welt mit Neugier zu betrachten und das Leben als fortwährenden Lernprozess zu verstehen.
3. Meine persönliche Reise: Was mich Spiritualität lehrt
Spiritualität ist für mich vor allem ein Weg, der mich lehrt, offen zu bleiben – für das Unbekannte, für neue Perspektiven und für das Leben selbst. Zwei besondere Erfahrungen haben mir gezeigt, wie bereichernd es sein kann, sich auf Neues einzulassen, auch wenn es anfangs herausfordernd ist.
Offenheit für neue Wege: Tokyo, die größte Stadt der Welt
Während meines Auslandssemesters in Tokyo erlebte ich eine Welt, die so anders war als alles, was ich kannte. Inmitten des pulsierenden Lebens dieser Megametropole fühlte ich mich zunächst überwältigt.
Doch gerade in dieser Hektik fand ich Momente tiefer Spiritualität: im meditativen Rhythmus eines Teezeremonie-Kurses, in den stillen Schreinen, die zwischen den Wolkenkratzern verborgen lagen, oder einfach in der Art, wie die Menschen dort mit einer fast meditativen Ruhe ihren Alltag meisterten.
Diese Erfahrung lehrte mich, dass Spiritualität kein Rückzug sein muss. Sie kann mitten in der geschäftigsten Stadt der Welt existieren – wenn wir bereit sind, sie zu sehen. Es geht darum, innezuhalten, den Moment wahrzunehmen und bewusst zu leben, egal wo wir sind.
Die Stille des Himalayas: Lernen von den Schaman*innen
Zuvor führte mich eine Reise in den Himalaya, wo ich mehrere Wochen allein mit Schaman*innen verbrachte. Dort, in einer Welt ohne Technik, ohne Lärm und ohne Ablenkungen, erlebte ich Spiritualität in ihrer ursprünglichsten Form: als tiefe Verbindung zur Natur und zum eigenen Inneren.
Die Schaman*innen lehrten mich, wie wichtig es ist, die eigene Intuition zu hören und das Unbekannte nicht mit Angst, sondern mit Neugier zu betrachten.
Die Einfachheit ihres Lebens erinnerte mich daran, dass wahre Spiritualität nicht in großen Konzepten liegt, sondern in der Fähigkeit, das Leben so anzunehmen, wie es ist – mit all seinen Unwägbarkeiten und Wundern.
Herausforderungen überwinden: Lernen, mich dem Leben zu öffnen
Sowohl in Tokyo als auch im Himalaya wurde ich mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert. Zweifel, Unsicherheiten und das Gefühl, nicht dazu zu gehören, waren ständige Begleiter. Doch gerade diese Widerstände haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, sie nicht zu verdrängen, sondern sie zu umarmen.
Durch diese Herausforderungen habe ich gelernt, dass Spiritualität auch bedeutet, im Unbekannten zu wachsen. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, sich dem Leben in all seinen Facetten zu öffnen – den schönen und den schwierigen.
Lernen als Lebensprinzip: Nie fertig sein
Heute weiß ich: Spiritualität ist ein lebenslanges Lernen. Sie lehrt uns, dass wir niemals alles wissen oder alles verstehen werden – und genau das ist die Schönheit des Lebens.
Die Offenheit für Neues ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Sie gibt uns die Freiheit, uns immer wieder zu erneuern, zu wachsen und uns mit uns selbst und der Welt zu verbinden.
5. Spiritualität und lebenslanges Lernen: Eine Haltung für die Zukunft
In einer Welt, die sich rasant verändert, ist Spiritualität ein Anker. Sie hilft uns, uns nicht im Chaos zu verlieren und gleichzeitig offen für das Neue zu bleiben.
Themen wie KI, Future Skills oder inzwischen ständig notwendiges Upskilling zeigen uns, dass wir in einer Ära leben, die von ständigem Lernen geprägt ist. Wenn wir die Augen davor verschließen, schließen wir uns selbst aus, können nicht mehr mitreden. Uns fehlt die Aufmerksamkeit dafür, wenn etwas beginnt, aus dem Ruder zu laufen.
Spiritualität zieht uns in den Prozess des Werdens und Vergehens, indem sie uns erdet und uns die Möglichkeit gibt, Herausforderungen mit einem offenen Geist und einem bewussten Herzen zu meistern.
Spiritualität lehrt uns, neugierig zu bleiben und nicht vor dem Unbekannten zurückzuschrecken. Sie zeigt uns, dass Veränderung keine Bedrohung ist, sondern eine Einladung zum Wachsen.
Fazit: Spiritualität leben bedeutet, offen zu bleiben
Für mich bedeutet Spiritualität, jeden Tag ein Stück bewusster, achtsamer und offener zu leben. Sie ist keine Flucht aus der Realität, sondern eine tiefe Verbundenheit mit ihr.
Spiritualität ist eine Einladung, das Leben mit Neugier und Staunen zu betrachten, sich dem Wandel zu öffnen und dabei geerdet zu bleiben. Sie ist ein Weg, der uns lehrt, dass wir niemals „fertig“ sind – und dass genau darin die Magie des Lebens liegt.
Was bedeutet Spiritualität für dich? Wie lebst du sie in deinem Alltag? Teile deine Gedanken in den Kommentaren – ich freue mich auf den Austausch!
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Quellenangaben:
(1) https://www.duden.de/rechtschreibung/Spiritualitaet
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