Nicht jetzt: Was mein Spiritualität-Podcast mit mir macht

Peggy beim Podcasten vor einer türkisen Wand, im Hintergrund ein Buddhakopf mit Lichtquelle und Bücherregal

Was zehn Takes für ein einziges Wort über mich erzählen.

Das Wort, das ich an dem Tag nicht aussprechen konnte, war „Prokrastination“.

Mikrofon stand, Skript war zweimal überarbeitet, Tee neben mir. Take eins, Stolperer. Take zwei, falsche Betonung. Bei Take fünf habe ich angefangen zu lachen. Bei Take zehn war es so weit, dass es brauchbar wurde.

Eine Folge über das Aufschieben, und ich brachte das Wort dafür nicht heraus.

Warum die Stimme und nicht der Bildschirm

Ein paar Monate vorher, das war im Sommer 2025, hatte ich Instagram im Kopf zugemacht.

Das Blinkiblinki nervte. Das Aufpolierte. Die endlosen Reels mit immer denselben drei Sounds, denselben Posen, denselben Lippenpressen. Sichtbarkeit ohne Berührung, Reichweite ohne Resonanz.

Ich hatte keine Lust, mich vor die Kamera zu setzen. Auch keine Lust auf das Schminken davor — den Lippenstift, von dem ich später schreiben sollte, was eigentlich alles in ihm drinsteckt. Und dann die Frage, die mir nicht aus dem Kopf ging. Zeige ich mich da überhaupt noch echt?

Ehrlich: Ich selbst ließ mich gerne ablenken. Ich scrollte. Ich speicherte Posts, die ich nie wieder anschaute. Ich war Teil dessen, was mich nervte. Hier kannst du mehr über mein Social-Media-Detox lesen.

Audio fühlte sich anders an. Nur die Stimme. So roh, wie sie war. Wenn ich vor dem Mikrofon ein bisschen schluckte, hörtest du es. Wenn ich eine Pause brauchte, war sie da. Mehr Echtheit, weniger Show.

So begann „Nicht jetzt“.

Die Folge, die mich aus der eigenen Prokrastination zog

Ein paar Wochen vor der Prokrastinations-Folge hatte ich Folge 21 aufgenommen — die zum Feuerpferd 2026.

Das Feuerpferd ist eine Konstellation aus dem chinesischen Kalender, alle 60 Jahre. Steht für Sichtbarkeit, Eigenverantwortung, Mut. Ich habe lange überlegt, ob das zu nah an der Esoterik liegt, mit der ich auf diesem Blog ausdrücklich Abstand halte.

Ehrlich: Ich bin mir bis heute unsicher. Vielleicht ist es esoterisch, vielleicht symbolisch, vielleicht beides. Was ich weiß, ist, was diese Aufnahme mit mir gemacht hat.

Ich war im Flow. „Einfach machen“, war die Energie. Mit kleinen Kurskorrekturen statt einem Bruch. Stimmigkeit statt Feuerwerk.

Und während ich das einsprach, kam die Sache, die ich monatelang umkreiste, in den Blick. Ich schrieb ein Buch, statt meine Masterarbeit zu schreiben. Ich plante Folgen, statt Quellen zu lesen. Ich lebte das, worüber ich später sprechen würde — produktive Prokrastination, die nach außen wie Disziplin aussieht.

Die Feuerpferd-Folge hat mich angeschaut wie ein Gegenüber.

Danach saß ich an der Masterarbeit.

Was eine Hörerin mir zurückgab

Nach der Prokrastinations-Folge, die mit den zehn Takes, schrieb mir eine Hörerin.

Sie hatte sich selbst erkannt. In dem subtilen Aufschieben, das nach außen wie Produktivität aussieht. In dem Perfektionismus, der eine Form von Vermeidung sein kann. Sie schrieb, sie sei zu Tränen gerührt gewesen.

Ich saß da mit ihrer Mail und dachte: Das hat sie gespürt, weil eine Stimme aus dem Lautsprecher ein Wort ausgesprochen hat, das sie selbst noch nicht laut sagen wollte.

Das ist, in einer kleinen Form, was ich als CEB-Lehrerin Affektkennzeichnung nenne — das präzise Benennen eines inneren Zustands, das genau die Hirnregion aktiviert, die unter Druck schwerer arbeitet. Manchmal benennst du selbst. Manchmal hörst du jemand anderen, der es vor dir laut werden lässt. Mehr über CEB.

Audio kann das auf eine eigene Weise. Ein guter Blogartikel berührt auch — du liest dann einen Gedanken, der dir vorher fehlte. Aber Audio trägt Pausen. Audio trägt das Stocken vor einem Wort. Audio lässt dich hören, was dein Gegenüber selbst beim Sprechen denkt.

Eine Hörerin schreibt selten „dein Text war stark“. Sie schreibt eher: „du sprichst, als hättest du das gerade gemerkt.“

Wenn die Stimme auf eine andere trifft

Bisher sind drei Gespräche im Podcast erschienen. Eines mit Mel, dem Koch — wir haben über Achtsamkeit in der Küche gesprochen, darüber, was Schneiden, Rühren und Schmecken mit Aufmerksamkeit zu tun haben. Was Nahrung und das Essen als Prozess mit Achtsamkeit zu tun haben. Ich folge Mel immer noch auf Insta und probiere mit Begeisterung seine Rezepte aus. 

Das zweite mit Tanja, einer Coachin über Achtsamkeit im Coachingbusiness. Wir sind dabei auch beim Waldbaden gelandet, ohne dass das geplant war. Sie findet ihre Mitte in der Natur. Ich auch. Plötzlich war das das Thema, und das Gespräch wurde leiser.

Ein drittes Gespräch entstand im Rahmen des Podcasthon, einer Aktion, die gemeinnützige Projekte sichtbar macht. Mein Gast war Ludwig Thiede, Gründer von LifeTeachUs — eine Initiative, die Berufswissen in Schulen bringt. Ich habe ihn schon länger auf LinkedIn verfolgt, jetzt hat sich der Kreis geschlossen.

Drei weitere Gespräche liegen in der Pipeline. Aufgenommen sind sie noch nicht, weil ich selbst eng getaktet bin und Termine mit anderen Menschen koordinieren noch eine Schicht obendrauf legen.

Ich warte auf das Semesterende.

Wenn du in einem Feld arbeitest, in dem Achtsamkeit, Meditation, Buddhismus oder spirituelle Praxis eine Rolle spielt, und Lust auf ein Gespräch hast, das sich Zeit nimmt: Du erreichst mich unter podcast@buddhaspfad.de. Ein Gesprächsformat, das auf Pausen Wert legt statt auf Schliff. Eine Stimme, die einer anderen begegnet.

Was bleibt

Wenn ich die 35 Folgen nebeneinanderlege, sehe ich eine Linie, die ich nicht geplant hatte.

Es gibt die Reihe, in der ich erkläre. Die Reihe, in der ich erzähle. Die Reihe, in der ich einfach beobachte. Und es gibt die Folgen, in denen mir während der Aufnahme klar wurde, dass ich die Sache, über die ich gerade spreche, gerade selbst lerne.

Heute erscheint eine solche Folge. Folge 32, fünf Tage vor dem Buchlaunch. Sie erzählt, wie ich drei Wochen vor Druck noch eine sechzehnte Geschichte ins Buch geschoben habe — eine kleine Sache, die mir während des Sprechens klar wurde. Sprich: erst beim Aufnehmen ist mir gleichzeitig klar geworden, dass sie überhaupt noch reingehört.

Die Aufnahmen sind die Praxis selbst. Was ich beim Sprechen merke, hätte ich beim Schreiben anders gemerkt. Beim Schreiben kann ich jedes Komma rückwirkend setzen. Bei der Aufnahme bleibt der Atem stehen, wo er stehenbleibt.

Vielleicht ist das die schlichteste Antwort, warum ich diesen Podcast liebe: Er zwingt mich dazu, ehrlich zu klingen. Auch dann, wenn ich zehn Takes brauche.

Eine Frage zum Mitnehmen

Welche Stimme aus deinem Leben hat dir zuletzt etwas zurückgegeben, das du selbst noch nicht aussprechen konntest?

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Blogparade von Barbara Riedl-Wiesinger und ihrem Micro Audio Symposium entstanden. Es ist mein Statement: „Darum liebe ich meinen Podcast“.

Du bist auf dem spirituellen Blog von BuddhasPfad. Hier geht es um Meditation als Praxis der Aufmerksamkeit und darum, was sich verändert, wenn du damit ernst machst.

Du bist neu? Starte hier!

Wenn dich interessiert, was beim Meditieren wirklich passiert: Mein Buch Nicht jetzt! ist jetzt erhältlich. *Bei Amazon ansehen.

Du möchtest die Praxis selbst erkunden? Im September kannst du mich an einem Meditationswochenende in der Akademie am See in Plön kennenlernen. Es gibt noch Restplätze.

Manchmal reicht ein neuer Blickwinkel, damit sich etwas verschiebt. Wenn dieser Impuls etwas in dir angestoßen hat, kannst du mir hier eine Tasse Tee dalassen.

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